Jurmala – Holzvillen und futuristische Architektur

Jurmala ist eine von hohen Kiefern umgebene etwa 35 kilometerlange Küstenregion am Rigaischen Meerbusen, wo man wunderbar ein Wochenende am Meer verbringen kann. Viele kleinere Ortschaften wie Dubulti, Majori und Bulduri befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft, so dass die Wahl eines geeigneten Strandabschnittes und einer passenden Unterkunft nicht schwerfallen sollte.

Im Folgenden werde ich euch Jurmalas einzigartige Architektur vorstellen und euch einige Tipps geben,wie ihr Jurmala am besten erkunden könnt.

Mit dem Flussdampfer nach Jurmala

 

Der aufregendste Weg von  Riga nach Jurmala (Majori) zu kommen, ist mit dem Flussdampfer (etwa mehr als 2 Stunden), den ich euch schon in meinem Bericht über Riga vorgestellt habe. Etwas schneller gelangt ihr jedoch mit dem Zug nach Jurmala, wobei ihr dann selbst entscheiden könnt, wo ihr aussteigen möchtet.

Jurmala mit dem Fahrrad erkunden

Wollt ihr Jurmalas kleinere Ortschaften und die dichten Kiefernwälder erkunden, solltet ihr euch unbedingt ein Fahrrad ausleihen. Fahrräder könnt ihr entweder direkt in den Touristeninformationszentren leihen, dort gibt es auch umfangreiches Kartenmaterial, oder per App bei Nextbike. Nextbike-Cityfahrräder bekommt ihr beispielsweise direkt am Bahnhof Jurmala-Majori.

Die Anmeldung auf den einzelnen Plattformen erledigt ihr am besten schon Zuhause, so spart ihr euch Zeit und Nerven vor Ort. Wenn ihr dann ein passendes Fahrrad für euch gefunden habt, loggt euch bei Nextbike ein, gebt den Code eures Fahrrades ein und fahrt direkt los. Allerdings verleihen diese Anbieter nur einfache Citybikes, wollt ihr mehr im Gelände unterwegs sein, solltet ihr euch ein Mountainbike bei einem Fahrradverleih holen.

Wir haben für unsere Bikes bei Nextbike pro Stunde 99 Cents bezahlt. Das Gute ist, dass ihr pro Ausleihe maximal 9 Euro zahlt, dann wechselt der Tarif automatisch in einen 24h-Tarif. Bei den lokalen Fahrradverleihern müsst ihr ungefähr mit 12-15 Euro pro Tag rechnen. Manchmal bezahlt ihr für ein Mountainbike etwas mehr als für ein einfaches Citybike. Die Fahrräder, die wir in Litauen und Lettland geliehen haben, waren alle durchweg sehr gut. Wir hatten keine einzige Panne!

Jurmalas Holzvillen

 

Ein Besuch in Jurmala lohnt sich nicht nur der weißen, endlosen Sandstrände wegen. Ihr solltet euch unbedingt die wunderschönen, alten Holzvillen anschauen. Einige dieser Prachtbauten kann bereits vom Zug aus bestaunen. Neben verspielten Jugendstilvillen und vom Klassizismus geprägte Gebäude findet ihr in Jurmala auch zahlreiche Relikte sowjetischer Architekturkunst. Einige Exemplare dieser kommunistischen Virtuosität zeige ich euch weiter unten.

 

Die reichverzierten Holzvillen in Jurmala entstanden vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein. Ein Teil der Villen wurde während der Okkupation durch die Russen als Sommerhäuser von einigen kommunistischen Funktionären genutzt. So sollen sich in Jurmala unter anderem schon Chruschtschow und Breschnew amüsiert haben.

Ein Wermutstropfen inmitten dieser architektonischen Pracht ist jedoch der Zahn der Zeit, der unübersehbar an vielen Häusern nagt. So bietet sich dem Betrachter ein ähnliches Bild wie in  Riga. Einige Fassaden sind schon arg verwittert und die liebevoll geschnitzten Details sind kaum noch erkennbar. So kommt es, dass schöne Jugendstilvillen vor sich hinrotten und einfach leer stehen. Es finden sich keine Investoren, die bereit sind, die alten Villen wieder in Stand zu setzen. Die Grundstückspreise in Jurmala sind nämlich sehr hoch. Nichtsdestotrotz haben sich unter anderem ein paar russische Investoren gefunden und einige Architekturperlen modernisiert.

Sowjetische Hinterlassenschaften

 

Eins der beeindruckendsten Architekturwunder aus der Sowjetzeit ist wohl das Bahnhofsgebäude in Jurmala-Dubulti. Es wurde 1977 erbaut und soll nach den Vorstellungen des Architekten die Brandung des Meeres darstellen. Und tatsächlich gleicht das Gebäude einer Welle, die mit typisch orangefarbenen Kunststoffelementen verziert wurde. Im Gebäude selbst gibt es eine Kunstgalerie, die Kunststation „Dubulti“, in der wechselnde Ausstellungen stattfinden. Kunst und Funktionalität zusammen in Perfektion.

  

Zwei weitere Juwelen kommunistischer Baukunst bilden ein anderes Bahnhofsgebäude in Jaundubulti und eine futuristisch anmutende Tankstelle nahe Dubulti. Gerade im Tankstellengebäude findet sich typische Charakteristika sowjetischer Baukunst: schlichte und funktionale Formen frei von Kitsch und Schnörkeleien.

Meine Tipps für euch kurz zusammengefasst

  • fahrt unbedingt mit dem Flussdampfer, wenn ihr von Riga fahren wollt
  • leiht euch vor Ort ein Fahrrad (entweder an den zahlreichen Fahrradverleihstationen oder per App bei Nextbike)
  • erkundet die schönen, dichten Kiefernwälder
  • gönnt euch eine Pause am Meer
  • esst zur Stärkung einen kalten Borschtsch