Die Sächsische Schweiz – Von Wehlen über die Bastei

Sächsische Schweiz Ausblick

Auch das dritte Septemberwochenende verspricht schönstes Wanderwetter und so mache ich mich morgens um 9 Uhr auf zum Leipziger Hauptbahnhof, um von dort zunächst nach Dresden, guten Morgen Fußballfans und Wanderlustige, und dann weiter mit der S1 nach Wehlen zu fahren. Auf der etwa zweistündigen Zugfahrt begegne ich feierlustigen Junggesellen, die sich von ihrem glücklichen Singleleben verabschieden und trinkfesten Fußballfans, die nicht davor zurückschrecken, bereits morgens um neun mit einem Bier ihre Mitreisenden zu belustigen. Nur gut, dass ich mich in die Sächsische Schweiz begebe, um mich dort in aller Ruhe und ohne lautes Gebrüll, auf Wanderschaft begebe.

Eine aufregende Zugfahrt durch Sachsen

Noch etwas verschlafen sitze ich neben einer aufgeregten Frau, die unzählige Tickets fest in ihren Händen hält und unermüdlich versucht, ihre Reisegruppe zusammenzuhalten. Als der Zug endlich in Dresden hält, hechte ich zu meinem Gleis, um in die S1 Richtung Bad Schandau zu springen. Erleichtert lasse ich mich auf meinem Sitz nieder und beiße genüsslich in mein belegtes Brot. Da es doch kühler ist, als erwartet, ziehe ich mir noch einen langärmligen Sweater unter meinen Pulli, als mich eine Frau nebenan anspricht und mir Komplimente über meine geschmackvolle Farbkombination bestehend aus Schwarz und Grau macht. Kiechernd verstecke ich mich hinter mein Buch und verbringe die restlichen 30 Minuten lesend.

Langsam beginnt sich die Landschaft zu verändern: Weite Wiesen und verlassene Industriegebäude werden von bizarren Felsformationen abgelöst. Endlich bin ich in der Sächsischen Schweiz! Ich bewege mich langsam ins Innere des schönen Elbsandsteingebirges und muss über die steilen Felswände staunen. Als ich die berühmten Schrammsteine entdecke, verlasse ich den Zug und betrete das kleine Örtchen Wehlen.

Ankunft in Wehlen

Zunächst muss ich mich mit der näheren Bahnhofsgegend zufrieden geben und folge erst einmal den vielen Wandergrüppchen. Bereit mich auf ein Soloabenteuer durch das Elbsandsteingebirge einzulassen, schalte ich meine Navigation ein und werde prompt von einer netten Dame mit einer etwas blechernen Stimme begrüßt. Etwas erschrocken von dem Redeschwall der Dame schalte ich meinen Navi lieber auf stumm und begebe mich auf dem Maler-Wanderweg Richtung Rauenstein.

Sächsische Schweiz Aufstieg Hohenstein Malerweg   Sächsische Schweiz Aufstieg Hohenstein Fels

Meine Abenteuertour beginnt mit steilen Anstiegen und schlängelt sich auf breiten Wegen mit vielen überirdischen Wurzeln etwa 300 Meter in die Höhe. Ich wandere die ersten 100 Meter durch den relativ unspektakulären Bärengrund, der mir nur hohe und kahle Kiefern bietet. Die Waldlandschaft ähnelt der des Harzes. Um nicht über die riesigen Wurzeln zu stolpern, halte ich meinen Blick stur nach unten und bekomme nur wenig von den dichter werdenden Wäldern mit.

Sächsische Schweiz Malerweg wald   Sächsische Schweiz Malerweg Kiefern

Auf dem Rauensteinkopf

Endlich erreiche ich den Rauensteinkopf und genieße die wirklich spektakuläre Aussicht auf die bizarren Kalksteingebilde auf der einen Seite und auf die weiten und sattgrünen Felder auf der anderen Seite. Ich bahne mir den Weg durch die Menschenmenge, die gierig in die tiefen Schluchten blickt und klettere grazil wie ein Reh von Stein zu Stein. Vergeblich versuche ich einen Stein zwecks Nahrungsaufnahme für mich zu erobern, gebe aber nach 5 Minuten auf und steige die zahlreichen, viel zu schmalen Treppen auf und ab, um zu den Lehmannsschluchthöhlen zu gelangen. Leider halten mich die viel zu kleinen Stufen und die drängenden Menschenmengen um mich herum davon ab, die wirklich tolle Landschaft in vollen Zügen genießen zu können.

Sächsische Schweiz Ausblick auf Bastei   Sächsische Schweiz Ausblick Natur

Auf zum Kurort Rathen

Die letzten Meter verlaufen etwas ruhiger und so wandere ich fast verlassen und einsam durch einen bezaubernden Mischwald, in dem ich nur die Rotkehlchen singen höre. Fast schon idyllisch! Allerdings ist mir diese Waldeinsamkeit nicht lange gegönnt und grüße freundlich eine herannahende Wandertruppe nach der anderen.

Sächsische Schweiz Stufen   Sächsische Schweiz Waldweg Rathen

Im Kurort Rathen angelangt begrüßt mich eine singende Hüpfburg am Elbufer, auf der sich colagedopte Kinder viel zu wild auf- und abbewegen. Schnell flüchte ich zu dem freundlich lächelnden Mann an der Fährenkasse, der mir prompt ohne viel Gerede ein Ticket in die Hand drückt. Doch muss ich mich noch etwas gedulden und lausche auf einer Parkbank sitzend dröhnenden Kinderliedern. Einige Textzeilen hielten sich noch Stunden später hartnäckig in meinem Kopf auf, so dass ich mich hin und wieder dabei erwischte, wie ich das Gummibären-Lied vor mich hinträllerte. Nur gut, dass ich allein unterwegs war!

Sächsische Schweiz weg Kurort rathen  Sächsische Schweiz Kurort Rathen

Auf der anderen Seite der Elbe angekommen schwimme ich im Besucherstrom Richtung Bastei. Das süße Örtchen Rathen hat wirklich schöne alte Fachwerkhäuschen zu bieten, in denen sich heute kleine Touristenstände, Frittenbuden und Hotels befinden.

Sächsische Schweiz Kurort Rathen Zentrum  Sächsische Schweiz Kurort Rathen

Die Bastei

Langsam und etwas bedächtig spaziere ich durch die Stille Gründe und nehme aus der Ferne eine angenehm warme Stimme wahr, die die Stille des Waldes stört. Als ich mich ihr nähere, entdecke ich einen in Rüschenhemd und weißen Pluderhosen steckenden Mann, der die vielen Besucher mit mittelalterlichen Liedern beglückt. Völlig unbeeindruckt erklimme ich die nächsten Stufen, die mich auf die Bastei führen.

Sächsische Schweiz Aufstieg Bastei  Sächsische Schweiz Aufstieg Bastei Wald

Schnaufend und schwitzend erreiche ich endlich die berühmte Basteibrücke und weiß nicht so recht, wohin ich mich zuerst bewegen soll. Zu viele Hinweisschilder wollen von mir gelesen und zu viele Abzweigungen von mir begangen werden. Ich entscheide mich für eine Rast hinter der Brücke und blicke auf die Elbe, die schlangenlinienartig 400 Meter unter mir ruht. In freudiger Erwartung endlich in mein belegtes Brot beißen zu dürfen, bewegt sich eine ältere Dame eilig auf mich zu und setzt sich schweißgebadet und sichtlich erschöpft neben mich. Ich lausche der angenehmen Melodie des sächsischen Dialektes und verspeise meinen Vorrat. Sollte ich mich in den Tiefen des Gebirges verlaufen, was angesichts der vielen Wegweiser eigentlich undenkbar ist, habe ich noch genau 2 Stücken Paprika in Reserve.

SächsischeSchweiz-Ausblick-Elbe  SächsischeSchweiz Sandsteine

Der Höllengrund

Ich versuche, dem Andrang zu entkommen und begebe mich in den vielversprechenden Höllengrund, der zunächst durch einen dunklen Wald führt. Ich gelange über den Höllengrund zum Uttenwalder Felsentor, das in einer tiefen, von zahlreichen Felsen umgebenen Schlucht ruht. Die Felsenschlucht bewandere ich auf steinigen Wegen weitestgehend allein und habe genug Zeit und Ruhe, die eindrucksvollen Steingebilde zu fotografieren.

Sächsische Schweiz dunkler Felsen   Sächsische Schweiz Wanderweg

Nach etwa einer Stunde erreiche ich den zweiten Teil des verschlafenen Dörfchen Wehlen. Auch hier begrüßen mich sanierte Fachwerkhäuschen. Glücklich und ein wenig erschöpft gelange ich auf den kopfsteingepflasterten Marktplatz und genehmige mir erst einmal einen Cappuccino. Bei der Überfahrt auf die andere Elbseite lasse ich noch einmal den Blick über die mächtigen Sandsteine der Sächsischen Schweiz schweifen und freue mich auf die Zugfahrt zurück nach Leipzig. Hoffentlich ohne grölende Fußballfans.

Habt ihr Lust bekommen, die Sächsische Schweiz mit ihren wirklich beeindruckenden Sandsteinformationen zu erkunden, dann wandert meine Tour auf komoot.de nach.