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Athen altes Haus Fassade

Ein Tag in Athen

In diesem Herbst ging es für mich das erste Mal nach Griechenland auf die Kykladeninsel Paros über die ich schon so viel gelesen hatte. Da ich die Strecke von Berlin nach Paros nicht an einem Tag zurücklegen wollte, entschied ich mich, einen Zwischenstopp in Athen einzulegen. So setzte ich mich also Montag Nachmittag in den Flieger und machte mich erst mal auf nach Athen.

Aller Anfang ist schwer

Große Erwartungen an Athen hatte ich nicht und so entschied ich mich, mich einfach überraschen und treiben zu lassen. Vom Flughafen ging es dann mit dem Zug zur Unterkunft. Wenn ihr wie ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vom Flughafen in die Stadt gelangen wollt, könnt ihr entweder mit der Metro oder/und wie ich mit dem Regionalzug fahren. Eine einfache Fahrt kostet in etwa 10 Euro. Wollt ihr weiter zum Hafen Piräus fahren, so könnt ihr mit dem Zug direkt dort hin fahren. Die Fahrt dauert ungefähr 70 Minuten.

Dummerweise fuhr ich erst einmal in die falsche Richtung und landete irgendwo außerhalb des Stadtkerns. Frustriert machte ich mich auf den Weg zurück, aber diesmal in die richtige Richtung und zur richtigen Unterkunft.

Da ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln noch nicht recht vertraut war, entschied ich mich für die nächstliegende Bushaltestelle und fuhr etwa eine Stunde mit dem Linienbus durch Athen. Es dunkelte schon ein wenig und irgendwie zeigte Athen sich mir in all ihrer Hässlichkeit. Ich muss es leider so sagen: Die Stadt enttäuschte mich und irgendwie fühlte ich mich nicht wohl.

Exarchia und Street-Art

Athen Street-Art Hauswand  Athen Streetart Wand

Ich hatte mir für Athen keinen richtigen Plan gemacht, da mein Ziel ja eigentlich Paros war. So ließ ich mich zunächst ein wenig treiben und mein Weg führte mich durch kleine, verwinkelte Straßen zum Viertel Exarchia. Ich entdeckte viel Street-Art auf meinem Weg und war etwas verwundert, wie gegensätzlich sich die Stadt mir darbot. Neben schick hergerichteten Fassaden finden sich sehr alte und verlassene Häuser mit wunderschönen Schmuckelementen und beeindruckenden Pergolen.

Athen buntes Viertel Exarchia  Athen Streetart schönes Viertel

Lykabettus – Der Berg der Athene

Athen Berg Lykabettus Blick Stadt  Athen Berg Lykabettus Weg

Ich ließ mich weiter durch Athen treiben und entschied mich, mir die Stadt von oben etwas genauer anzuschauen. Vielleicht offenbart sich mir auf dem Gipfel eines Berges die Schönheit Athens. Es ging also zum Lykabettus. Dem Mythos nach soll wohl Athene den Berg nach Athen gebracht haben, um einen Schutzwall vor der Akropolis zu errichten. Also ließ sie den etwa 270 Meter hohen Felsen einige Meter vor der Akropolis fallen. Athene muss riesig gewesen sein. Anders kann ich mir nicht erklären, wie man so einen gigantischen Felsbrocken so einfach tragen kann.

Der Weg auf die Spitze des Berges führt zunächst durch einen kleinen, lichten Nadelbaumwald, durch den man hin und wieder fantastische Aussichten auf Athen hat. Auf dem Gipfel des göttlichen Berges befindet sich eine kleine, süße Kapelle: Die Sankt-Georgs-Kapelle und eine große Aussichtsterrasse von der aus man wunderbar auf Athen blicken kann. Der Weg nach unten führte mich auf die andere Seite Athens zum alten Stadion.

  Athen Berg Lykabettus

Die Leiden des Sokrates

Athen Sokrates Gefängnis  Athen Gefängnis Sokrates Zelle

Weitaus spannender als die Akropolis und das Stadion war für mich das Gefängnis des Sokrates  am Fuße des Philoppapos Hügels an der Apostolou-Pavlou-Straße. Allerdings herrscht in der Gelehrtenwelt Uneinigkeit über die „wahre“ Höhle, in die man Sokrates nach seiner Verurteilung einkerkerte und in der er den Schierlingsbecher leeren musste.

Andere wiederum behaupten, die Höhlen seien lediglich Wohnungen aus dem 4. Jahrhundert, die man während des Zweiten Weltkrieges benutzte, Besitztümer des Archäologischen Museums zu verstecken.

Eine Nacht auf Griechisch

Athen altes Haus Fassade  Athen Streetart Haus Fassade

Am frühen Abend ging es für mich zurück in meine Unterkunft. Da ich Lust hatte, mich durch einige griechische Spezialitäten zu probieren, entschied ich mich für das Restaurant „Alexander the Great“, das mich nur wenig überzeugte. Ich probierte Moussaka, das mir irgendwie zu schwer im Magen lag und trank den roten Hauswein, der mir kalt serviert wurde und irgendwie leicht verwässert schmeckte. Etwas ernüchtert zog ich mit meiner Begleitung durch Athen und wir entschieden uns, noch ein alkoholisches Kaltgetränk zu uns zu nehmen.

Wir entschieden uns für die Teddyboy Bar auf der sehr lebendigen Taki-Straße im Zentrum Athens. Als Liebhaberin dunkler 80er Rhytmen fühlte ich mich hier sofort wohl. Der Weg dorthin führte uns jedoch durch ein etwas zwielichtiges Viertel und die Bar fällt auf der großen, sehr überlaufenen Straße nicht sofort auf, da sie von außen eher schlicht und dunkel gehalten ist.Eine andere, sehr nette Bar ist die Ela Na Sou Po Bar, ebenfalls im Zentrum gelegen. Hier könnt ihr bei lokalem Bier eher alternativer, rockiger Musik lauschen.

 

 

Vietnam Reisevorbereitungen

Meine Reisevorbereitungen für Vietnam

(*enthält Werbelinks)

In drei Wochen ist es endlich soweit und ich fliege nach Vietnam. Schon seit längerem spiele ich mit dem Gedanken, mich länger (7 Monate!!) dort aufzuhalten und darüber zu schreiben. Wie genau ich meine Reise nach Vietnam plane, erfahrt ihr hier.

Auslandskrankenversicherung

Wenn ihr euch wie ich mehrere Wochen außerhalb Europas aufhaltet, solltet ihr eine Auslandskrankenversicherung abschließen, da die deutsche Krankenversicherung nur in Ländern der EU greift. Um euch unnötigen Recherchestress zu ersparen, lohnt es sich, bei eurer Krankenkasse mal nachzufragen, ob sie eine Auslandsversicherung anbieten.

Welche Auslandskrankenversicherung ist die beste für mich?

Meine Krankenkasse (Securvita) bietet leider keine Auslandskrankenversicherung an, so musste ich mir die nötigen Informationen selbst erarbeiten und habe lange im Internet recherchiert. Neben größeren Kassen wie der AOK, Hanse Merkur, HUK-Coburg oder dem ADAC findet ihr noch zahlreiche kleinere Anbieter, bei denen ihr einen Rundumschutz beantragen könnt. Wichtig ist nur, dass ihr bei eurer Wahl darauf achtet, dass ein sicherer Rücktransport nach Deutschland gewährleistet wird.

Vom Leistungsumfang unterscheiden sich die größeren Anbieter nicht sonderlich, nur die Preise variieren stark. Ich habe mich  letztendlich für die HUK-Coburg entschieden. Ich bezahle 290 Euro für sieben Monate. Sollte ich während meines Aufenthaltes in Vietnam krank werden oder einen Unfall haben, so übernimmt die HUK alle Kosten für medizinisch notwendige ambulante und stationäre Behandlungen und sorgt für einen Rücktransport nach Deutschland.

Den Antrag könnt ihr bequem online ausfüllen und der Betrag wird dann per SEPA von eurem Konto abgebucht. Ihr müsst auch keine Kündigungsfrist beachten, da der Versicherungsschutz automatisch nach Ablauf eurer Reisezeit endet.

Was passiert mit meinem deutschen Versicherungsschutz?

Um euch bei eurer deutschen Krankenversicherung abzumelden, müsst ihr nur zwei wichtige Nachweise erbringen: Erstens: Den Nachweis darüber, dass ihr eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen habt. Zweitens: Euer Flugticket. Diese zwei Dokumente schickt ihr mit ein paar Zeilen an eure Krankenkasse.

Sobald ihr wieder in Deutschland seid, müsst ihr euch natürlich wieder bei eurer Krankenkasse „zurückmelden“ und ein Ticket mit dem Einreisedatum vorlegen. Alles relativ unkompliziert!

Brauche ich ein Visum?

Seit Juli 2016 müssen deutsche Staatsbürger, die maximal 15 Tage in Vietnam verbringen wollen, kein Visum mehr beantragen. Dabei solltet ihr folgende Dinge beachten:

  • Euer Reisepass ist noch mindestens sechs Monate gültig
  • nach Ablauf der 15 Tage dürft ihr erst 30 Tage später erneut einreisen

Wollt mehr Zeit in Vietnam verbringen, so müsst ihr ein Touristenvisum beantragen.

Touristenvisum

Ein Touristenvisum stellt euch die vietnamesische Botschaft in Berlin aus und ist bis zu drei Monate gültig. Beachtet bei dem dreimonatigem Touristenvisum, dass ihr nur einmalig nach Vietnam einreisen dürft, bei dem einmonatigen jedoch mehrfach.

Was ihr braucht:

  • euren Reisepass, der noch über die Dauer eures Aufenthaltes gültig ist
  • das vollständig ausgefüllte Antragsformular (online oder per pdf)
  • ein aktuelles Passfoto
  • die Visagebühr in bar oder als Verrechnungscheck (etwa 50-90 Euro)

Wie beantragt ihr das Visum?

Ihr könnt entweder persönlich zur Botschaft nach Berlin fahren und während der Geschäftszeiten eure Unterlagen abgeben oder ihr schickt alles per Post. Wenn ihr euren Antrag per Post einreicht, solltet ihr unbedingt einen ausreichend frankierten Rückumschlag beilegen und einen Verrechnungscheck für die Visagebühr. Wie viel das Visum letztendlich kostet, erfragt ihr am besten telefonisch:

Botschaft der Sozialistischen Republik Vietnam

Elsenstr. 3

12435 Berlin-Treptow

Telefon: 030/53630102 oder 030/53630108

Internet

Rechnet bei der Bearbeitung eures Antrages mit ungefähr einer Woche. In dringenden Fällen könnt ihr auch ein Express-Visum beantragen.

Muss ich mich impfen?

Da ihr in tropische bis subtropische Gefilde reisen werdet, empfiehlt es sich, die eine oder andere Impfung neben den „Standardimpfungen“ zu haben:

  • Hepatitis A (unbedingt!)
  • Hepatitis B
  • Tollwut
  • Typhus
  • Japanische Encephalitis
  • Cholera

Hepatitis A

Bei Hepatitis A handelt es sich um eine Viruserkrankung, die durch unreines Wasser oder unreine Lebensmittel verursacht wird. Hepatitis A ist gerade in Südostasien sehr weit verbreitet, also sorgt für einen ausreichenden Schutz, bevor ihr abreist. Im Gegensatz zu Hepatitis B reicht meist eine Dosis.

Hepatitis B

Um einen ausreichenden Schutz gegen Hepatitis B gewährleisten zu können, benötigt ihr bis zu drei Dosen, die euch in einem Zeitraum von bis zu sechs Monaten verabreicht werden. Hepatitis B bekommt ihr, wenn ihr mit verunreinigten Nadeln und Blutkonserven in Kontakt kommt oder ungeschützten Geschlechtsverkehr habt. Selbst in kleinste Hautverletzungen können die Viren eindringen, daher solltet ihr euch bei längeren Aufenthalten in Vietnam unbedingt schützen.

Hier erhaltet ihr noch mehr Infos zum Thema Impfungen.

Malaria

Das Risiko an Malaria zu erkranken besteht in ganz Vietnam, vor allem in einigen zentralen und südlichen Provinzen wie Gia Lai, Dak Lak, Kon Tum, Binh Phuoc, Dak Nong, in den westlichen Provinzen Khanh Hoah, Quang Tri, Ninh Thuan, Quang Nam und im Nordwesten Lai Chau. Die Küste nördlich von Nha Trang, das Delta des Roten Flusses sowie die größeren Stadtzentren gelten als „malariafrei“. Es gibt keine Impfung gegen Malaria.

Denguefieber

An Denguefieber erkranken leider auch viele Touristen. Es gibt keinen Impfstoff gegen Dengue, aber ein guter Schutz gegen Mosquitos sollte das Infektionsrisiko minimieren.

Wie finde ich eine passende Unterkunft?

Da ich für das Goethe-Institut in Ho Chi Minh Stadt arbeiten werde, wird mir eine Unterkunft gestellt. Ich werde in der Nähe des Goethe-Institutes in einem gut ausgestatteten Apartment wohnen und bezahle 375 Euro im Monat. Die Mietpreise in Ho Chi Minh Stadt variieren sehr stark je nach dem in welchem District ihr wohnen möchtet und welche Ausstattungen ihr wünscht. Für ein einfaches Studio bezahlt ihr zwischen 250 und 700 Euro. Je zentraler euer Apartment, desto teurer natürlich die Miete. Plant ihr einen längeren Aufenthalt in einer Stadt oder Region, empfiehlt es sich, ein Apartment anzumieten. Schaut dafür einfach mal auf Craigslist.

Was nehme ich alles mit?

Kleidung

Da mich tropisches Wetter in Ho Chi Minh Stadt erwarten wird, nehme ich auch nur meine Sommerkleidung mit. Momentan ist Regenzeit, d.h. ich werde auch wetterfeste Kleidung wie eine Regenjacke und wasserdichte Schuhe mitnehmen. Ansonsten wandern genügend T-Shirts, Kleider, Röcke und kurze Hosen sowie Sandalen und meine Chucks in den Koffer. Sollte ich dennoch etwas vergessen haben, werde ich mir vor Ort noch etwas kaufen.

Bücher

Um mich auf meine Vietnamreise einzustimmen, lese ich gerade zwei Bücher, die euch ebenfalls nur empfehlen kann:

Technische Ausrüstung

  • meine geliebte Kamera plus Wechselakkus und Speicherkarte
  • iPad
  • mobiles Ladegerät (sehr fancy!)*
  • Handy mit nützlichen Apps (Komoot, maps.me)
  • Laptop
  • Reisestecker für Typ A und G

Wie bezahle ich in Vietnam?

In Vietnam bezahlt ihr mit dem vietnamesischen Dong (VND), wobei 1 Euro ungefähr 28.000 VND entsprechen. Es gibt den vietnamesischen Dong Gott sei Dank nur in Scheinen und beginnt bei 200 Dong (etwa 1 Cent).

Einige Hotels, Restaurants und Einkaufszentren akzeptieren auch Dollars und Euros, aber wenn ihr in Dong bezahlt, kommt ihr meist günstiger weg.

Wie viel kosten die Flüge nach Vietnam?

Auch hier hängt es davon ab, wann ihr fliegt. In den Wintermonaten, wenn viele Touristen Vietnam bereisen, kann ein einfacher Flug schon mal 500-800 Euro kosten. Es lohnt sich auf jeden Fall, mehrere Airlines miteinander zu vergleichen und rechtzeitig zu buchen oder auf gut Glück Last Minute. Ich habe für meinen Flug im Oktober 380 Euro bezahlt. Allerdings werde ich in Singapur einen etwa dreistündigen Zwischenstopp einlegen müssen. Schaut mal bei Skyscanner vorbei. Dort könnt ihr euch die Flüge auch für den ganzen Monat anzeigen lassen und erhaltet Preismeldungen per E-Mail.

Wenn ihr noch auf der Suche nach speziellen Tipps seid und Vietnam mit dem Rucksack erkunden möchtet, empfehle ich euch den sehr informativen Bericht von 1000 travelstories. 

 

 

 

Sächsische Schweiz Ausblick

Die Sächsische Schweiz – Von Wehlen zur Bastei

Auch das dritte Septemberwochenende verspricht schönstes Wanderwetter und so mache ich mich morgens um 9 Uhr auf zum Leipziger Hauptbahnhof, um von dort zunächst nach Dresden – guten Morgen Fußballfans und Wanderlustige – und dann weiter mit der S1 nach Wehlen zu fahren. Auf der etwa zweistündigen Zugfahrt begegne ich feierlustigen Junggesellen, die sich von ihrem glücklichen Singleleben verabschieden und trinkfesten Fußballfans, die nicht davor zurückschrecken, bereits morgens um neun mit einem Bier ihre Mitreisenden zu belustigen. Nur gut, dass ich mich in die Sächsische Schweiz begebe, um mich dort in aller Ruhe und ohne lautes Gebrüll, auf Wanderschaft begebe.

Eine aufregende Zugfahrt durch Sachsen

Noch etwas verschlafen sitze ich neben einer aufgeregten Frau, die unzählige Tickets fest in ihren Händen hält und unermüdlich versucht, ihre Reisegruppe zusammenzuhalten. Als der Zug endlich in Dresden hält, hechte ich zu meinem Gleis, um in die S1 Richtung Bad Schandau zu springen. Erleichtert lasse ich mich auf meinem Sitz nieder und beiße genüsslich in mein belegtes Brot. Da es doch kühler ist, als erwartet, ziehe ich mir noch einen langärmligen Sweater unter meinen Pulli, als mich eine Frau nebenan anspricht und mir Komplimente über meine geschmackvolle Farbkombination bestehend aus Schwarz und Grau macht. Kiechernd verstecke ich mich hinter mein Buch und verbringe die restlichen 30 Minuten lesend.

Langsam beginnt sich die Landschaft zu verändern: Weite Wiesen und verlassene Industriegebäude werden von bizarren Felsformationen abgelöst. Endlich bin ich in der Sächsischen Schweiz! Ich bewege mich langsam ins Innere des schönen Elbsandsteingebirges und muss über die steilen Felswände staunen. Als ich die berühmten Schrammsteine entdecke, verlasse ich den Zug und betrete das kleine Örtchen Wehlen.

Ankunft in Wehlen

Zunächst muss ich mich mit der näheren Bahnhofsgegend zufrieden geben und folge erst einmal den vielen Wandergrüppchen. Bereit mich auf ein Soloabenteuer durch das Elbsandsteingebirge einzulassen, schalte ich meine Navigation ein und werde prompt von einer netten Dame mit einer etwas blechernen Stimme begrüßt. Etwas erschrocken von dem Redeschwall der Dame schalte ich meinen Navi lieber auf stumm und begebe mich auf den Maler-Wanderweg Richtung Rauenstein.

Sächsische Schweiz Aufstieg Hohenstein Malerweg   Sächsische Schweiz Aufstieg Hohenstein Fels

Meine Abenteuertour beginnt mit steilen Anstiegen und schlängelt sich auf breiten Wegen mit vielen überirdischen Wurzeln etwa 300 Meter in die Höhe. Ich wandere die ersten 100 Meter durch den relativ unspektakulären Bärengrund, der mir nur hohe und kahle Kiefern bietet. Die Waldlandschaft ähnelt der des Harzes. Um nicht über die riesigen Wurzeln zu stolpern, halte ich meinen Blick stur nach unten und bekomme nur wenig von den dichter werdenden Wäldern mit.

Sächsische Schweiz Malerweg wald   Sächsische Schweiz Malerweg Kiefern

Auf dem Rauensteinkopf

Endlich erreiche ich den Rauensteinkopf und genieße die wirklich spektakuläre Aussicht auf die bizarren Kalksteingebilde auf der einen Seite und auf die weiten und sattgrünen Felder auf der anderen Seite. Ich bahne mir den Weg durch die Menschenmenge, die gierig in die tiefen Schluchten blickt und klettere grazil wie ein Reh von Stein zu Stein. Vergeblich versuche ich einen Stein zwecks Nahrungsaufnahme für mich zu erobern, gebe aber nach 5 Minuten auf und steige die zahlreichen, viel zu schmalen Treppen auf und ab, um zu den Lehmannsschluchthöhlen zu gelangen. Leider halten mich die viel zu kleinen Stufen und die drängenden Menschenmengen um mich herum davon ab, die wirklich tolle Landschaft in vollen Zügen genießen zu können.

Sächsische Schweiz Ausblick auf Bastei   Sächsische Schweiz Ausblick Natur

Auf zum Kurort Rathen

Die letzten Meter verlaufen etwas ruhiger und so wandere ich fast verlassen und einsam durch einen bezaubernden Mischwald, in dem ich nur die Rotkehlchen singen höre. Fast schon idyllisch! Allerdings ist mir diese Waldeinsamkeit nicht lange gegönnt und grüße freundlich eine herannahende Wandertruppe nach der anderen.

Sächsische Schweiz Stufen   Sächsische Schweiz Waldweg Rathen

Im Kurort Rathen angelangt begrüßt mich eine singende Hüpfburg am Elbufer, auf der sich colagedopte Kinder viel zu wild auf- und abbewegen. Schnell flüchte ich zu dem freundlich lächelnden Mann an der Fährenkasse, der mir prompt ohne viel Gerede ein Ticket in die Hand drückt. Doch muss ich mich noch etwas gedulden und lausche auf einer Parkbank sitzend dröhnenden Kinderliedern. Einige Textzeilen hielten sich noch Stunden später hartnäckig in meinem Kopf auf, so dass ich mich hin und wieder dabei erwischte, wie ich das Gummibären-Lied vor mich hinträllerte. Nur gut, dass ich allein unterwegs war!

Sächsische Schweiz weg Kurort rathen  Sächsische Schweiz Kurort Rathen

Auf der anderen Seite der Elbe angekommen schwimme ich im Besucherstrom Richtung Bastei. Das süße Örtchen Rathen hat wirklich schöne alte Fachwerkhäuschen zu bieten, in denen sich heute kleine Touristenstände, Frittenbuden und Hotels befinden.

Sächsische Schweiz Kurort Rathen Zentrum  Sächsische Schweiz Kurort Rathen

Die Bastei

Langsam und etwas bedächtig spaziere ich durch die Stille Gründe und nehme aus der Ferne eine angenehm warme Stimme wahr, die die Stille des Waldes stört. Als ich mich ihr nähere, entdecke ich einen in Rüschenhemd und weißen Pluderhosen steckenden Mann, der die vielen Besucher mit mittelalterlichen Liedern beglückt. Völlig unbeeindruckt erklimme ich die nächsten Stufen, die mich auf die Bastei führen.

Sächsische Schweiz Aufstieg Bastei  Sächsische Schweiz Aufstieg Bastei Wald

Schnaufend und schwitzend erreiche ich endlich die berühmte Basteibrücke und weiß nicht so recht, wohin ich mich zuerst bewegen soll. Zu viele Hinweisschilder wollen von mir gelesen und zu viele Abzweigungen von mir begangen werden. Ich entscheide mich für eine Rast hinter der Brücke und blicke auf die Elbe, die schlangenlinienartig 400 Meter unter mir ruht. In freudiger Erwartung endlich in mein belegtes Brot beißen zu dürfen, bewegt sich eine ältere Dame eilig auf mich zu und setzt sich schweißgebadet und sichtlich erschöpft neben mich. Ich lausche der angenehmen Melodie des sächsischen Dialektes und verspeise meinen Vorrat. Sollte ich mich in den Tiefen des Gebirges verlaufen, was angesichts der vielen Wegweiser eigentlich undenkbar ist, habe ich noch genau 2 Stücken Paprika in Reserve.

SächsischeSchweiz-Ausblick-Elbe  SächsischeSchweiz Sandsteine

Der Höllengrund

Ich versuche, dem Andrang zu entkommen und begebe mich in den vielversprechenden Höllengrund, der zunächst durch einen dunklen Wald führt. Ich gelange über den Höllengrund zum Uttenwalder Felsentor, das in einer tiefen, von zahlreichen Felsen umgebenen Schlucht ruht. Die Felsenschlucht bewandere ich auf steinigen Wegen weitestgehend allein und habe genug Zeit und Ruhe, die eindrucksvollen Steingebilde zu fotografieren.

Sächsische Schweiz dunkler Felsen   Sächsische Schweiz Wanderweg

Nach etwa einer Stunde erreiche ich den zweiten Teil des verschlafenen Dörfchen Wehlen. Auch hier begrüßen mich sanierte Fachwerkhäuschen. Glücklich und ein wenig erschöpft gelange ich auf den kopfsteingepflasterten Marktplatz und genehmige mir erst einmal einen Cappuccino. Bei der Überfahrt auf die andere Elbseite lasse ich noch einmal den Blick über die mächtigen Sandsteine der Sächsischen Schweiz schweifen und freue mich auf die Zugfahrt zurück nach Leipzig. Hoffentlich ohne grölende Fußballfans.

Habt ihr Lust bekommen, die Sächsische Schweiz mit ihren wirklich beeindruckenden Sandsteinformationen zu erkunden, dann wandert meine Tour auf komoot.de nach.

Gauja Nationalpark Aussicht

Der Gauja Nationalpark

An unserem 3. Tag in Riga ging es in den Gauja Nationalpark. Der Gauja Nationalpark ist der größte und wohl meistbesuchte Nationalpark in Lettland. Wünscht ihr euch mehr Abgeschiedenheit und Einsamkeit solltet ihr unbedingt in den Nationalpark Kemeri fahren.

Mit dem Zug nach Sigulda

In den Nationalpark gelangt man am besten mit dem Zug, der regelmäßig vom Hauptbahnhof in Riga nach Sigulda fährt. In einer etwa einstündigen Zugfahrt fährt man meist durch dichte Kiefernwälder und entdeckt hin und wieder kleinere Gehöfte und Dörfer. Die Architektur im Osten Lettlands unterscheidet sich sehr stark von der im Westen. Bestaunt man in Jurmala bunte Holzvillen und futuristisch anmutende Gebäude, so sieht man im Osten eher kleinere Häuser aus Stein.

Sigulda

In Sigulda angekommen müssen wir uns erst einmal den Weg durch den Touristenstrom schlagen. Die Menge drängt zunächst in das Touristeninformationszentrum, das direkt in der Bahnhofshalle zu finden ist. Ich eile natürlich hinterher, um eine kostenlose Umgebungskarte zu ergattern. Geschafft!! Ich konnte mich gegen zwei Rentnerreisegruppen durchsetzen und zeige meinem Begleiter stolz die Karte.

Mit der Seilbahn in den Gauja Nationalpark

Gauja Nationalpark Seilbahn  Gauja Nationalpark Aussicht Seilbahn

Zunächst geht es zur einzigen Seilbahn Lettlands, um von dort auf die andere Seite in den Nationalpark zu fahren. Auf dem Platz vor der Schwebebahn tümmeln sich bereits mehrere Menschen, die nicht recht wissen, ob sie erst mit dem Riesenrad oder mit dem Bob fahren, oder doch lieber direkt in den Nationalpark übersetzen sollen. Wir entscheiden uns jedoch direkt mit der Seilbahn zu fahren.

Die Seilbahn fährt alle 30 Minuten und eine einfache Fahr kostet 6Euro. Wer auf Abenteuer steht, kann sich auch direkt auf die Seilbahn binden lassen und (fast) frei über die Schlucht des Gauja Flusses gleiten. Für mein empfindliches Gemüt doch etwas zu abenteuerlich. Mein Begleiter enthält sich jedem Kommentar.

Die Ruinen von Krimulda

Gauja Nationalpark Krimul  Gauja Nationalpark Unterstand

Endlich geht es los und nach 2 Minuten ist man auch schon auf der anderen Seite. Schnurstracks geht es zu den Burgruinen von Krimulda. Leider gibt es nur noch ein paar Überreste in Form von  ein paar Steinen, die jedoch keine Ähnlichkeit mehr mit einer mittelalterlichen Burg haben.

Die Gutmann´s Höhle

Gauja Nationalpark Gutmanns Höhle  Gauja Nationalpark Gutmanns Höhle Kritzeleien

Da wir nur einen Tagesausflug in den Gauja Nationalpark geplant haben, entscheiden wir uns für einen kurzen Rundweg und erkunden die zahlreichen Höhlen. Zuerst geht es zur größten Höhle, die Gutmann´s Höhle. Die Idee hatten wohl gefühlte 1000 andere Besucher auch. Nun gut, die vielen Reiseberichte haben mir eine beeindruckende Höhle versprochen, also kämpfe ich mich erneut durch die Menschenmenge.

Wir wandern sehr gemütlich durch eine parkähnliche Anlage, die sehr gepflegt aussieht. Für meinen Geschmack etwas zu künstlich aufgehübscht, aber es warten ja immer noch die spektakulären Höhlen auf mich. Nur noch wenige Meter und wir erreichen die berüchtigte Gutmann´s Höhle. In freudiger Erwartung zücke ich meine Kamera und steuere direkt auf die Höhle zu, schubse ein, zwei Rentner in Safarihosen beiseite und da ist sie! Nun ja, es ist eine Aushöhlung in einer Felswand mit merkwürdigen Kritzeleien. Was habe ich auch erwartet? Leicht enttäuscht stapfe ich zum Imbissstand, der sich gleich neben der Höhle befindet und tröste mich mit einer lettischen Pizza.

Auf schmalen Treppen in die Natur

Gauja Nationalpark Treppen  Gauja Nationalpark Natur

Wir lassen die feudalen Herrenhäuser und die überpflegten Parkanlagen hinter uns und dringen etwas tiefer in den Gauja Nationalpark ein. Auf schmalen, viel zu schmalen, Holztreppen geht es meist steil nach oben. Auch hier muss ich mir eingestehen, dass meine Kondition doch nicht so gut ist. Nach Luft japsend folge ich meinem Begleiter, dem das Treppensteigen anscheinend keine Mühen bereitet. Flink wie ein Reh nimmt er eine Stufe nach der anderen.

Turaida

Gauja Nationalpark Turaida Park  Gauja Nationalpark Turaida Park Statur

Nach gefühlt 100 steilen Aufstiegen auf viel zu schmalen Treppen erreichen wir Turaida´s prächtige Gartenanlage, die mich an den Park Sanssouci erinnert. Auch hier finden sich aufgehübschte Gartenhäuschen neben mit Kalkül arrangierte Blumenbeete. Wir kehren in einem kleinen Café ein und genehmigen uns ein Stück selbstgemachten Kuchen. Das Café befindet sich direkt neben dem Eingang der riesengroßen Parkanlage und wir beobachten die ankommenden Reisebusse, die im Sekundentakt Scharen von Menschen ausspucken. Mir wird das zu viel und so fliehen wir Richtung Sigulda.

Zurück nach Sigulda

Gauja Nationalpark Weg  Gauja Nationalpark Fluss Gauja

Der Weg zurück zum Bahnhof ist etwas ruhiger und führt uns durch einsamere Waldlandschaften und über weite Felder. Endlich ein Hauch von Naturerleben ohne ständig auf Touristen zu treffen.

Allmählich verdunkelt sich der Himmel und schwarze Gewitterwolken ziehen auf. Mit meinem optimistischen Naturell versuche ich meinen Begleiter zu beruhigen und versichere ihm, dass wir Sigulda in Bälde und trocken erreichen werden. Völlig unbeeindruckt von dem Gedonnere am Himmel wandere ich weiter durch die immer dunkler werdenden Kiefernwälder.

Nach weiteren 100 Metern ermahnt mich mein Begleiter, uns doch einen Unterstand zu suchen. Es regnet wie verrückt! Gottseidank finden wir einen kleinen Unterstand in Form einer übelriechenden Plumpstoilette, unter deren Dach sich auch schon drei andere Wanderer befinden. Andächtig und in Gedanken versunken lausche ich dem Regen und lasse den Tag Revue passieren. Mein Begleiter unterhält sich indes angeregt mit zwei Abenteurern, die sich noch durch die Wildnis des Nationalparks schlagen wollen.

Gauja Nationalpark-Sigulda  Gauja Nationalpark Sigulda Park

Nach circa 10 Minuten lässt der Regen etwas nach und wir ziehen weiter. Wir überqueren die Brücke über der Gauja und gelangen nach einem letzten Treppenaufstieg zurück nach Sigulda. Diesmal geht es mit dem Bus zurück nach Riga.

Mein Fazit

  • zu viele Besucher
  • es lohnt sich eine Kajak-Fahrt zu machen, um mehr von der Unberührtheit des Parks zu sehen
  • gut erschlossene Wanderwege
  • viele Einkehrmöglichkeiten
  • gute Infrastruktur

 

Meine Wandertour durch den beeindruckenden Harz

Unser zweiter Tag im wunderschönen Harz beginnt mit einem großen und reichhaltigen Frühstück im Gasthof „Hexentreff“ in Thale, in dem wir auch genächtigt haben. Eine Nacht pro Person hat uns 35 Euro gekostet. Das Frühstück war inklusive.

Gestärkt machen wir uns auf die zweite Wandertour durch den Harz. Am ersten Tag ging es ins Bodetal, heute wollen wir jedoch weiter in den Süden vordringen und bis nach Stecklenberg wandern.

Über den Wilhelmsblick auf den Hexentanzplatz

Harz Wandertour Wilhelmsblick  Harz Wandertour Wilhelmsblick Blätter

Unsere Wanderung beginnt mit einem relativ steilen Aufstieg hoch zum Hexentanzplatz. Nach circa 300 Metern erreichen wir den ersten Aussichtspunkt, den Wilhelmsblick. Dankbar stürze ich mich auf die erst beste Sitzgelegenheit in Form eines Steines und hole tief Luft. Der Blick auf die gegenüberliegenden Granitfelsen, umgeben von bunten Laubbäumen, ist einfach nur atemberaubend.  Weiter geht es die letzten 200 Meter auf den Hexentanzplatz. Ich muss die letzten Meter jedoch alleine weiter, da meine Begleitung seinen Geldbeutel, inklusive Ladegeräte, in der Pension vergessen hat. In den Tiefen des Waldes sehe ich sogar einen Specht, der seinen Schnabel unermüdlich in die Baumrinde schlägt.

Durch tiefe Kiefernwälder zum Ochsensumpfteich

Harz Wandertour Kiefernwald  Harz Wandertour Ochsensumpfteich

Wir passieren die La Viershöhe, lassen den Tierpark links liegen und dringen immer weiter in die tiefe Waldlandschaft ein. Die Wege werden allmählich ruhiger und wir begegnen kaum noch anderen Wanderern. Erleichtert dem Besucherstrom endlich entkommen zu sein, schlendern wir gemütlich durch einen dichten und märchenhaft anmutenden Kiefernwald, der kaum Licht durch die Baumkronen lässt. Nach wenigen Minuten kommen wir am Ochsensumpfteich an. Genüsslich beiße ich in mein belegtes Brötchen und genieße die Ruhe.

Wir wandern immer weiter Richtung Stecklenberg und erreichen nach einem 15-minütigen Marsch durch den Wald die Georgshöhe. In freudiger Erwartung auf ein kühles Bierchen ziehe ich das Tempo an und steuere direkt auf die Pension „Forsthaus Georgshöhe“ zu. Leider müssen wir feststellen, dass es sich hier nur um ein „Gästehaus“ handelt und nicht um ein „Gasthaus“. Die Tücken der deutschen Sprache.

Harz Wandertour Glockenstein  Harz Wandertour dichter Wald

Leicht enttäuscht geht es weiter durch die beeindruckende Harzlandschaft. Nach circa 500 Metern entdecken wir den Glockenstein, ein riesiger Stein mitten im Wald. Ob es sich hierbei um einen erratischen Felsstein, also um einen ortsfremden Stein, oder um eine altgermanische Kultstätte handelt, weiß bis heute niemand wirklich. Einer Sage nach erklingt der Glockenstein in der Walpurgisnacht, um den Hexen den Weg zum Brocken zu weisen.

Das traumhaft schöne Wurmbachtal

Harz Wandertour Wurmtal  Harz Wandertour Wurmtal Weg

Unsere Wanderung führt uns weiter durch das idyllische Wurmbachtal. Die Landschaft ändert sich: Die kahlen Kiefern weichen den bunten Laubbäumen und es wird allmählich heller und freundlicher. Wir wandern auf teilweise sehr verschlungenen Wegen und steuern auf einen Aussichtspunkt zu, der einen sagenhaften Blick auf die umliegenden Wälder freilegt.

Harz Wandertour Winterklippen  Harz Wandertour Winterkaskaden

Etwa 1 Kilometer vor Stecklenberg entdecken wir bizarr geformte Felswände, die Winterklippen, die das Tal in Dunkelheit hüllen. Wenige Meter weiter gelangen wir zur Kalziumquelle, an der wir unsere Wasserflaschen auffüllen. Angesichts des hohen Kalziumgehalts kann ich leider nur wenige Schlücke nehmen, ohne mich übergeben zu müssen. Hier kann man auch gemütlich ein Picknick machen, da es ausreichend Sitzmöglichkeiten gibt.

Die Stecklenburg

Harz Wandertour Stecklenburg  Harz Wandertour Stecklenburg Ruine

Kurz vor Stecklenberg ragen die Reste der Stecklenburg durch die Baumzipfel. Eine Sage erzählt von einem Ritter, der auf der Stecklenburg zu Hause war, aber dem Bischof von Halberstadt nur Ärger brachte. Der Ritter weigerte sich vehement dem Stift Quedlinburg seinen Zins zu zahlen. Eines Abends jedoch, während sich der Ritter mit seinen Trinkkumpanen amüsierte und über den Bischof höhnte, fiel er plötzlich wie von einem Blitz getroffen tot um. Hier scheiden sich wohl die Geister, ob der tollkühne Ritter durch Gottes Hand oder einfach eines dummen Zufalls wegen gestorben ist.

Harz Wandertour Stecklenberg  Harz Wandertour Dorf Stecklenberg

Angesichts der fortgeschrittenen Stunde entschließen wir uns den Bus von Stecklenberg nach Neinstedt zu nehmen, um von dort wieder in den HEX (Harz-Elbe-Express) Richtung Heimat zu steigen.

Meine Wandertour durch den Harz für euch zum Nachwandern auf komoot.

 

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Wandern im sagenumwobenen Bodetal

Kaffeegestärkt und müsligesättigt mache ich mich am späten Vormittag auf zum Leipziger Hauptbahnhof, um von dort mit der S2 nach Halle zu fahren. In Halle angelangt, steige ich in den HEX (Harz-Elbe-Express), der mich über Halberstadt nach Thale bringt. Erleichtert, den Zug noch erwischt zu haben, mache ich es mir auf meinem relativ komfortablen Sitz gemütlich und lasse den Blick über die sachsen-anhaltische Landschaft schweifen. Weite Getreidefelder, volle Streuobstwiesen und kleine Hügel am Horizont lassen allmählich Wanderstimmung in mir aufkommen. Nach zweistündiger Fahrt verlasse ich den HEX und freue mich auf ein entspanntes Wandern im sagenumwobenen Bodetal und durch den Harz.

Durch die tiefen Schluchten des Bodetals

Die Bode

Wandern Harz Fluss Bode  Wandern Harz Fluss Bode

Wir entscheiden uns für einen relativ ruhigen Wanderweg, der uns an der Bode entlang durch das schöne Bodetal führt. Ihren Namen verdankt die Bode einer Sage, der zufolge der Riese Bodo die Königstochter Brunhilde nachjagte, um sie zur Heirat zu zwingen. Brunhilde, sich auf einem weißen Pferd befindend, floh vor dem Riesen und versuchte sich mit einem kühnen Sprung auf einen Felsen zu retten. Der Verfolger stürzte jedoch in die Tiefe. Bei dem waghalsigen Versuch, sich von den Bedrängungen des Riesen zu befreien, verlor die Prinzessin ihre goldene Krone. Auf dem Grund der Bode liegend wird sie seitdem von Bodo, der sich zur Strafe in einen Hund verwandelte, bewacht.

Der Goethefelsen

Wandern Harz Goethefelsen  Wandern sagenumwobener Harz steiniger Weg

Inmitten dichter Waldlandschaft laufen wir zwischen zerklüfteten Granitfelsen immer der Bode folgend auf einem steinigen Weg durch das beeindruckende Bodetal. Wir passieren den Goethefelsen, der Gegenstand gleich mehrerer Sagen bildet. Eine Sage erzählt, dass einst sieben Brüder um die Gunst Brunhildes warben, die jedoch jeden Einzelnen abwies. Gedemütigt von der schroffen Zurückweisung der Königstochter entführten die Brüder Brunhilde, die die Berggeister um Hilfe bat. Die Geister verwandelten die Brüder zur Strafe in einen Felsen, den man heute noch unter den Namen „Siebenbrüderfelsen“ kennt.

Die Jungfernbrücke

Vergnügt folgen wir dem steinigen Weg, der mich und meinen Gefährten des Öfteren stolpern lässt, und gelangen über die Jungfernbrücke zum Gasthaus Königsruhe, das neben Kaltgetränken auch deftige Gerichte wie Bratwurst, Rouladen oder gegrillte Forellen anbietet. Der Sage nach konnte die steinerne Brücke nur von Jungfrauen überquert werden, damit diese nicht einstürzt. Jedes Mal, wenn eine Jungfrau die Brücke überquerte, erklang ein Glöckchen von der Gaststätte Königsruhe.

Die Teufelsbrücke

Wandern Harz Teufelsbrücke  Wandern sagenumwobener Harz Hexenkessel

Weiter geht es nahe des Bodekessels über die Teufelsbrücke, die, wie sollte es auch anders sein, auch mit einer Sage auf uns wartet: Die Brücke konnte nur mithilfe des Teufels errichtet werden. Als Gegenleistung verlangte der Teufel die Seele desjenigen, der die Brücke als Erster überqueren sollte. Üblicherweise ist es der Baumeister selbst. Um der Forderung des Teufels zu entgehen, schubste er eine Ziege vor sich her, die ihn vor dem Teufel rettete.

Treseburg

Wandern Harz Hexenstieg  Wandern Harz Hexenstieg

Nach einigen schweren Auf- und Abstiegen verlassen wir allmählich den Flusslauf der Bode und gelangen in tiefe Fichtenwälder. Die Landschaft verändert sich schlagartig und es dringt nun mehr Licht durch die Baumkronen. Kaum noch begegnen wir anderen Wanderern oder lesen von Schurken und hilflosen Prinzessinnen. Es wird allgemein ruhiger.

Wandern Harz Felsen  Wandern Harz Hexenstieg Bäume

Nur noch wenige Meter von uns entfernt liegt das kleine und etwas verlassen wirkende Örtchen Treseburg. Wir kehren ein und genehmigen uns ein kühles Radler. Ich probiere mich an der ostdeutschen Delikatesse Soljanka, bereue es jedoch schnell. In einer zu süß angemachten Tomatensuppe schwimmen zu dicke Wurstreste und zu saure Gurken. Das Sahnehäubchen kommt unverkennbar aus der Sprühflasche.

Enttäuscht vertiefe ich mich in die weitere Planung unserer Tour, die uns ursprünglich nach Friedrichbrunn führen sollte. Kaum habe ich die Reste meiner Soljanka an die freundliche Kellnerin abgegeben, verdunkelt sich auch schon der Himmel. Es beginnt zu regnen. Immer noch die erste Enttäuschung im Nacken brechen wir unsere Tour hier ab und fahren mit dem Bus zurück nach Thale.

Abends auf dem Hexentanzplatz

Nachdem wir nach nicht langer Suche eine akzeptable Unterkunft gefunden haben („Zum Hexentreff“) begeben wir uns zur später Stunde mit der Schwebebahn auf den Hexentanzplatz. Normalerweise befördert die Seilbahn ihre Gäste nur bis 18 Uhr, aber da es Freitagabend ist und Thale sich auch hin und wieder Vergnügungen in Form eines Schlagerkonzerts hingeben möchte, gelangen wir auch noch um 20 Uhr hinauf.

Wandern Harz Blick Seilbahn  Wandern Harz Blick Thale

Noch etwas wackelig auf den Beinen steige ich aus der Kabine der Seilbahn und blicke hinter mir hinab auf Thale. Eingeschlossen von weiten Feldern und grasbedeckten Hügeln schlummert Thale ruhig vor sich hin.

Wandern Harz Ausblick Hexentanzplatz  Wandern Harz Ausblick La Viershöhe

Wir lassen Thale jedoch hinter uns und biegen links ab. Wir steuern direkt auf  den Aussichtspunkt „La Viershöhe“ zu und werden nicht enttäuscht: Das tiefe Bodetal liegt uns zu Füßen und beschert uns einen herrlichen Blick auf die bunt gesprenkelten Berge. Inmitten dieser Naturpracht ragen vereinzelt bizarre Felsformationen in die Höhe. Zudem erblicken wir die Roßtrappe auf der sich der Fußabdruck von Brunhildes Pferd befinden soll. Wir kehren in einer Restauration ein und genießen unser kühles Bier.

Da es mittlerweile dunkel geworden ist, entscheiden wir uns vernünftigerweise gegen den Weg zurück zu Fuß und steigen erneut in den Kabinenlift ein. Die Enge der Kabine macht mir zu schaffen und ich bin überglücklich, diese nach 3 Minuten auch wieder verlassen zu dürfen. Da ich leichten Appetit verspüre, entscheiden wir uns, einen Abstecher zur Sportbar „Peter´s“ zu machen. wahrscheinlich die einzige Lokalität, die auch nach 21 Uhr noch Getränke und Speisen anbietet.

Falls ihr Lust bekommen haben solltet, die Tour nachzuwandern, schaut euch meine Navigation auf komoot an.

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade „Ausflugsziele fürs Wochenende“.

Lettland Kemeri Nationalpark kleiner See

Nationalpark Kemeri – Unberührte Schönheit Lettlands

Der Nationalpark Kemeri ist neben dem Gauja Nationalpark einer der vier großen Nationalparks in Lettland. Der Park befindet sich etwas westlich vom Rigaischen Meerbusen und ist leicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Die Schönheit des Nationalparks liegt insbesondere in der unberührten Natur und der weitläufigen Moorlandschaft, die man auf zahlreichen Wander- und Fahrradwegen erkunden kann.

Die Wege führen entlang der beiden größeren Seen, dem Slokas-See und dem Kaniera-See, die wichtige Brut- und Futterplätze für Zugvögel darstellen. An den Seen gibt es einige Aussichtsplattformen, von denen man wunderbar die Schönheit des Nationalparks betrachten kann.

Im Folgenden führe ich euch mit dem Fahrrad durch einen Teil des Nationalparks Kemeri, der mich vom ersten Augenblick an in seinen Bann gezogen hat. Umgeben von ursprünglicher Natur und unterschiedlichen Hoch- und Tiefmooren kann man hier im Gegensatz zum etwas lauteren Gauja Nationalpark in Ruhe die Landschaft genießen.

1.Etappe: Von Kemeri zum Slokas-See

Kemeri

Lettland Nationalpark Kemeri Bahnhof  Lettland Nationalpark Kemeri Slokas See

Von Riga aus fährt jede halbe Stunde ein Zug, der euch innerhalb von 2 Stunden nach Kemeri bringt. Direkt am Bahnhof könnt ihr euch für 12 Euro ein Fahrrad ausleihen. Ihr solltet unbedingt ein Mountainbike nehmen, da ihr streckenweise doch durch schweres Gelände fahren werdet. Kartenmaterial bekommt ihr vor Ort.

Die ersten Meter des Weges führen euch durch das kleine Örtchen Kemeri, das etwas verschlafen wirkt. Wie in Jurmala könnt ihr auch hier viele kleinere, reich verzierte Holzhäuser bestaunen, die leider meist leer stehen und langsam verfallen. Neben übertrieben bunten Kindergartenanlagen (tatsächlich wirkte der Kindergarten mit seinem hohen Zaun und seiner schwer nachvollziehbaren Sicherheitstechnik wie eine Festung) entdeckt man auch einige Perlen sowjetischer Architekturkunst.

Bevor ihr losfahrt, empfiehlt es sich, noch einmal am örtlichen Supermarkt anzuhalten und sich mit Wasser und Snacks einzudecken. Folgt ihr dem Fahrradweg Richtung Slokas-See werdet ihr an einem kleineren Tante Emma Lädchen und einem größeren Supermarkt vorbeikommen. Der Tante Emma Laden bietet einige warme Snacks wie Baguettes und Pizza an. Die Pizza ist etwas gewöhnungsbedürftig, da der Teig leicht süßlich schmeckt und eher an Brioche erinnert.

Zum Slokas-See

Lettland Nationalpark Kemeri Fahrradweg  Lettland Nationalpark Kemeri Slokas See Aussichtsplattform

Zunächst fahrt ihr auf einem gut asphaltierten Fahrradweg, der euch durch tiefe Kiefernwälder führt. Nach etwa 3 km erreicht ihr den Slokas-See. Auf einer etwa 4 m hohen Aussichtsplattform könnt ihr euren Blick über den schönen See schweifen lassen und Vögel beobachten.

Wundert euch nicht, wenn ihr den Geruch von verfaulten Eiern wahrnehmt. Es handelt sich hierbei um schwefelhaltige Mineralquellen, die abgesehen vom Gestank medizinische Wunder bewirken sollen. Im 19. Jahrhundert soll es große Mode gewesen sein, sich und seinen Körper darin zu heilen. Ich habe mich jedenfalls nicht getraut, darin zu baden. Es roch dann doch etwas unangenehm.

Lettland Kemeri Nationalpark Slokas See  Lettland Nationalpark Kemeri Slokas See Wasser

Von der Aussichtsplattform habt ihr nun mehrere Möglichkeiten den Park weiter zu erkunden. Eine Möglichkeit wäre, weiter südlich nach Kudra zu fahren (auf einem gut erschlossenen Wander- und Fahrradweg). Dies bietet sich an, wenn ihr nicht viel Zeit habt und vielleicht zu Fuß unterwegs seid. So gelangt ihr rasch wieder nach Kemeri. Solltet ihr mit dem Fahrrad unterwegs sein, könnt ihr nach Jaunkemeri an die Ostsee fahren. Dafür fahrt ihr zunächst etwa 2 km durch tiefe Moorlandschaften. Der Weg führt auf soliden Holzbohlen direkt auf den bereits bekannten Fahrradweg.

2.Etappe: Von Jaunkemeri (Jurmala) nach Lapmezciems

Da der Weg durch die tiefe Moorlandschaft bei 30 Grad doch etwas beschwerlich ist, lohnt sich ein Abstecher ans Meer. Wenn ihr dem asphaltierten Fahrradweg folgt, gelangt ihr auf direktem Weg nach Jaunkemeri. In Jaunkemeri könnt ihr euch dann in die hohen Wellen der Ostsee schmeißen und etwas im Meer planschen.

Fahrt dann einfach auf dem Fahrradweg weiter Richtung Westen weiter nach Lapmezciems und kehrt in eines der vielen, kleineren Bistros ein, die sich direkt am Straßenrand befinden. Hier könnt ihr neben landestypischen Fischgerichten leckere Suppen essen. Ich empfehle euch die Fischsoljanka. Ein wahrer Gaumenschmaus.

Lettland Nationalpark Kemeri Fischsuppe

Hinter Lapmezciems führt eine kleine Abzweigung an den Kaniera-See. Hier fahrt ihr auf ungemütlichen Schotterwegen durch unberührte Sumpflandschaft. Gerade im Sommer bei gut 32 Grad ist der Weg doch sehr beschwerlich, da es kaum Bäume am Wegesrand gibt, die Einen schützen könnten. Am Kaniera-See gibt es erneut eine Aussichtsplattform von der ihr den Blick über den See schweifen lassen könnt.

Lettland Nationalpark Kemeri Kaniera See  Lettland Nationalpark Kemeri See

3.Etappe: Durch die Grüne Düne zurück nach Kemeri

Der schönste Weg zurück nach Kemeri – ein wirklicher Geheimtipp – führt der mittelschwere Weg durch die Grüne Düne. Hier fahrt ihr auf weniger gut erschlossenen Wegen mit vielen Anstiegen durch die fruchtbare Moorlandschaft.

Die Grüne Düne im Nationalpark Kemeri hat mich nach wenigen Minuten total verzaubert. Man wird sofort in die verlassene und teilweise unerschlossene Natur hineingezogen. Es eröffnet sich eine andere Welt, die sich von der eben besuchten Ostseeküste komplett unterscheidet. Auf dem etwa 4 km langen, gut ausgeschilderten Weg fahrt ihr durch tiefe Pinienwälder, die mit teilweise abstrakten Holzformationen auf euch warten. Der Grünen Düne haftet etwas Märchenhaftes an, das ihr unbedingt selbst sehen und erleben solltet.

Lettland Nationalpark Kemeri Grüne Düne Fahrradweg  Lettland Nationalpark Kemeri Grüne Düne Wald

Einen Nachteil gibt es allerdings: Ihr fahrt durch naturbelassenes Moorgebiet, das heißt, es gibt Insekten, viele Insekten. Vor allem gibt es gemeine, schmerzhaft zubeißende Bremsen, die sich von unserem Insektenschutzmittel nur wenig beeindruckt zeigten. Dabei haben wir schon zu dem guten russischen Insektizid gegriffen. Versuche, gute Fotos zu schießen, schlugen leider fehl. Die kleinen, fiesen Tierchen versuchten wirklich hartnäckig, uns aus ihrem Revier zu verjagen. Und ja, die Bisse waren mitunter sehr schmerzhaft. Versucht also ein wirklich gutes Schutzmittel zu bekommen und nehmt euch gegebenenfalls lange Kleidung mit, die ihr euch schnell überwerfen könnt.

Habt ihr den Weg durch die Grüne Düne unbeschadet überstanden, sind es nur noch wenige Kilometer bis zum Bahnhof Kemeri, von wo aus ihr zurück nach Riga gelangt. Die Züge fahren durchgehend bis 23 Uhr.

Mein Artikel zum Nationalpark Kemeri ist Teil der Blogparade von ousuca.com, wo ihr alles Wissenswertes über Outdoor, Survival und Camping erfahrt.

 

Die Kurische Nehrung – Das Paradies in Litauen

Auf meiner Reise durch Litauen und Lettland hatte ich das Vergnügen einige Tage auf der Kurischen Nehrung verbringen zu können. Die wunderschöne, teilweise unberührte Natur und die langen, einsamen Sandstrände machen die Kurische Nehrung so paradiesisch.

Die Kurische Nehrung ist eine etwa 98 Kilometer lange Landzunge, die im Jahr 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und heute ein Nationalpark ist. Der nördliche Teil gehört zu Litauen, wobei Nida die Grenzstadt bildet und der südliche Teil der Kurischen Nehrung gehört zur russischen Exklave Kaliningrad. Um nach Kaliningrad zu gelangen, benötigt ihr jedoch ein Visum.

Anreise

Wenn ihr die Kurische Nehrung nur für einen Tag besuchen wollt, empfiehlt es sich in Klaipeda, ehemals Memel, zu übernachten. Wir haben im Hotel Memel, unweit der Altstadt und des Hafens, übernachtet. Vom Hafen aus könnt ihr problemlos mit der Fähre auf die Kurische Nehrung fahren. Die Fahrt dauert nur wenige Minuten und kostet hin und zurück 1 Euro. Die Fähre fährt alle 30 Minuten ab. Wollt ihr die Kurische Nehrung mit dem Fahrrad erkunden, solltet ihr euch bereits in Klaipeda ein Fahrrad ausleihen. Leihstationen gibt es beispielsweise direkt am Hafen und ihr bezahlt 12-15 Euro pro Tag, inklusive Kartenmaterial.

Mit dem Fahrrad nach Juodkrante

  

Es gibt auf der Kurischen Nehrung einen sehr gut ausgebauten Fahrradweg, der von Smiltyne nach Nida, über Juodkrante, Pervalka und Preila führt. Wollt ihr nur einen Tagesausflug machen, könnt ihr durch wunderschöne Natur nach Juodkrante fahren. Der Fahrradweg führt teilweise durch tiefe Kiefernwälder und teilweise an der Ostseeküste entlang.

  

Von Smiltyne nach Juodkrante sind es ungefähr 20 Kilometer und je nach dem wie schnell ihr fahren wollt, seid ihr in ungefähr 2 Stunden da. Ihr solltet auf jeden Fall öfter Pausen einlegen und unbedingt die wunderschönen, langen und einsamen Sandstrände besuchen. Zugänge zu den einzelnen Strandabschnitten findet ihr ungefähr alle 10 Meter.

Die Graue Düne zwischen Pervalka und Juodkrante

  

Der circa 1,5 Kilometer lange Lehrpfad auf der Grauen Düne im Negelschen Naturreservat nähe Pervalka ist eins meiner Highlights auf der Kurischen Nehrung. Auf der Grauen oder auch Toten Düne gibt es viele Höhlen und Hügel, die durch starke Windverwehungen entstanden sind. Die Graue, bzw. Tote Düne ist die längste Düne Litauens und erzählt eine der traurigsten Geschichten der Kurischen Nehrung: Zwischen 1675 und 1854 wurden hier vier Dörfer vom Sand verschlungen.

Das Negelsche Naturreservat hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Graue Düne und vor allem seltene Pflanzen- und Tierarten zu schützen. Um die Arbeit der Naturschützer zu unterstützen, werdet ihr am Eingang 2 Euro entrichten müssen.

Die ersten Meter läuft man ganz gemütlich auf Holzbohlen, den restlichen Weg bis zu einem Aussichtspunkt muss man allerdings durch den Sand laufen, was gerade im Hochsommer sehr anstrengend werden kann. Daher nehmt unbedingt viel Wasser mit. Wenn ihr zur richtigen Jahreszeit kommt und Glück habt, könnt ihr sogar einige seltene Pflanzen und Tiere entdecken, die in den zahlreichen Höhlungen und Bergen ein Zuhause gefunden haben.

Litauen-Kurische Nehrung Graue Düne Aussichtsplattform  Litauen Kurische Nehrung Graue Düne Kurisches Haff

Am Ende des Lehrpfades erreicht ihr eine Aussichtsplattform, die die Sicht auf die Nehrung und das Kurische Haff freilegt. Ein wirklich wunderschöner Spot, um tolle Fotos zu schießen.

Nida

Litauen Kurische Nehrung Nida   Litauen Kurische Nehrung Nida Sonnenuntergang

Wenn ihr die Kurische Nehrung besucht, solltet ihr auf jeden Fall das kleine Fischerdörfchen Nida, ehemals Nidden, besuchen. Nida ist das letzte Örtchen vor der russischen Grenze. Am besten gelangt ihr nach Nida mit dem Auto oder mit dem Bus, der alle 30 Minuten von Smiltyne nach Nida fährt.

In Nida erwarten euch neben vielen kleineren Geschäften und Restaurants auch ein Bernsteinmuseum, das Thomas-Mann-Haus und die größte Düne Europas, die Parnidis-Düne. Auch die für die Kurische Nehrung typischen bunten Holzhäuser, ehemalige Fischerhäuser, könnt ihr überall bestaunen.

  

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Vergleich zur Größe des kleinen Örtchens ausreichend. Ihr solltet allerdings frühzeitig buchen, um eventuell eine Unterkunft direkt am Haff zu bekommen. Wenn ihr flexibel bleiben möchtet und spontan eure Unterkunft wechseln wollt, empfiehlt es sich, vor Ort nach Unterkünften zu suchen, da einige Anbieter online nicht buchbar sind. Wir hatten beispielsweise das Glück, eine wunderschöne Unterkunft auf einer Anhöhe mit Direktblick aufs Haff zu finden. Das Haus befindet sich direkt neben dem Thomas-Mann-Haus, so konnten auch wir den von Thomas Mann geliebten „Italienblick“ genießen. Die Vermieterin ist jedoch nur telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Also haltet ruhig die Augen offen und sucht euch vor Ort eine passende Unterkunft. Die Preise variieren in Nida sehr stark. Eine Nacht in einem Hostel ist beispielsweise schon ab 15 Euro zu finden, Luxushotels mit besonderer Ausstattung und beliebter Lage findet ihr bis 215 Euro pro Nacht.

Ausgehen in Nida

Litauen Kurische Nehrung geröstetes Brot

In Nida finden sich zahlreiche Restaurants und Cafes, die meist bis 22 oder 23 Uhr geöffnet sind. Neben typisch litauischen Speisen, wie kalter Borschtsch oder geröstetem Brot mit Käsesauce gibt es auch viele Lokalitäten die italienisches oder amerikanisches Essen anbieten. Auch für Nachtschwärmer hält das kleine Örtchen eine passende Bar bereit, die sich direkt am Hafen im Zentrum von Nida befindet. Da die meisten Restaurants gegen 23 Uhr schließen, bekommt man in der kleinen Bar auch noch nach 23 Uhr alkoholische Getränke und sogar kleinere Snacks.

Beachtet unbedingt, dass ihr im Supermarkt nur bis 20 Uhr alkoholische Getränke erwerben könnt. Nach 20 Uhr wird der Bereich mit den alkoholischen Getränken abgesperrt und die KassiererInnen können kein Bier oder Wein mehr einscannen.

Die Parnidis-Düne

Litaeun Kurische Nehrung Nida Parnidis Düne  

Die Parnidis-Düne trägt viele Namen: Sie wird entweder als Große oder auch als Hohe Düne bezeichnet. Mit ihrer Höhe von circa 50 Metern ist sie eine der größten Wanderdünen Europas. Trotz großer Bemühungen aufseiten der Naturschützer verliert die Düne jährlich an Höhe. So verlor sie allein zwischen 1984 und 2004 an etwa 15 Metern Höhe.

Die Parnidis-Düne liegt am Ortsausgang von Nida und bildet zugleich das Grenzgebiet zwischen Litauen und Kaliningrad. Auf einer schmalen Holztreppe gelangt man auf die Düne, auf der man dann auf kleineren Pfaden die Düne erkunden kann. Die Parnidis-Düne kann man allerdings nur auf den gekennzeichneten Wegen begehen, das unerlaubte Begehen führt zu einer Ermahnung durch die „Dünenranger“. Das unerlaubte Beklettern der Düne wird sogar mit einer Geldstrafe geahndet.

Von den zahlreichen Aussichtspunkten auf der Parnidis-Düne erstreckt sich auf der östlichen Seite das Kurische Haff, auf der westlichen die gewaltige Ostsee und im Süden kann man auf Kaliningrad blicken.

Kalter Borschtsch

 

  

Kalter Borschtsch ist eine Delikatesse, die ich das erste Mal auf dem Zentralmarkt in Riga probieren durfte. Bereits der erste Löffel hat mich für diese baltische Köstlichkeit begeistert. Gerade an heißen Sommertagen gibt es nichts Leckeres. Und das Wichtigste: Sie ist super einfach und schnell zuzubereiten.

Ihr braucht (für einen großen Topf):

  • 1 große Rote Beete (zwei Kleinere gehen auch)
  • etwas Gemüsebrühe
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln (auch rote Zwiebeln)
  • 500 ml Dickmilch oder Kefir (bei Kaufland erhältlich)
  • 1 Salatgurke
  • nach Bedarf hartgekochte Eier
  • 1 Becher Schmand oder Creme Fraiche
  • 1 Bund Dill

Wie geht es weiter:

Zuerst kocht ihr die Rote Beete mit Schale. Das kann, je nach Größe, etwa 30 Minuten dauern. Wenn die Rote Beete weich ist, müsst ihr sie schälen und in kleine Stücke schneiden. Dann schneidet ihr die Salatgurke ebenfalls in kleinere Stücke. Am besten in dünne Streifen. Gebt noch die Frühlingszwiebeln, die Dickmilch und etwas Gemüsebrühe hinzu und vermengt alles ordentlich. Würzt noch mit etwas Salz und ein Wenig Pfeffer nach. Zum Schluss kommt noch etwas Dill dazu.Der Borschtsch schmeckt am besten,wenn ihr ihn noch für etwa eine Stunde in den Kühlschrank stellt.

Traditionellerweise wird der Kalte Borschtsch noch mit einem hartgekochten Ei und etwas Schmand obendrauf serviert. Das bleibt aber eurem Geschmack überlassen.

Sollte euch die Suppe allein nicht sättigen, könnt ihr auch noch Pellkartoffeln oder geröstete Kartoffelecken dazu servieren.

Lasst es euch schmecken!

 

Jurmala – Holzvillen und futuristische Architektur

Jurmala ist eine von hohen Kiefern umgebene etwa 35 kilometerlange Küstenregion am Rigaischen Meerbusen, wo man wunderbar ein Wochenende am Meer verbringen kann. Viele kleinere Ortschaften wie Dubulti, Majori und Bulduri befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft, so dass die Wahl eines geeigneten Strandabschnittes und einer passenden Unterkunft nicht schwerfallen sollte.

Im Folgenden werde ich euch Jurmalas einzigartige Architektur vorstellen und euch einige Tipps geben,wie ihr Jurmala am besten erkunden könnt.

Mit dem Flussdampfer nach Jurmala

Jurmala Reise Flußdampfer Häuser  Jurmala Reise Flussdampfer Wasser

Der aufregendste Weg von  Riga nach Jurmala (Majori) zu kommen, ist mit dem Flussdampfer (etwa mehr als 2 Stunden), den ich euch schon in meinem Bericht über Riga vorgestellt habe. Etwas schneller gelangt ihr jedoch mit dem Zug nach Jurmala, wobei ihr dann selbst entscheiden könnt, wo ihr aussteigen möchtet.

Jurmala mit dem Fahrrad erkunden

Wollt ihr Jurmalas kleinere Ortschaften und die dichten Kiefernwälder erkunden, solltet ihr euch unbedingt ein Fahrrad ausleihen. Fahrräder könnt ihr entweder direkt in den Touristeninformationszentren leihen, dort gibt es auch umfangreiches Kartenmaterial, oder per App bei Nextbike. Nextbike-Cityfahrräder bekommt ihr beispielsweise direkt am Bahnhof Jurmala-Majori.

Die Anmeldung auf den einzelnen Plattformen erledigt ihr am besten schon Zuhause, so spart ihr euch Zeit und Nerven vor Ort. Wenn ihr dann ein passendes Fahrrad für euch gefunden habt, loggt euch bei Nextbike ein, gebt den Code eures Fahrrades ein und fahrt direkt los. Allerdings verleihen diese Anbieter nur einfache Citybikes, wollt ihr mehr im Gelände unterwegs sein, solltet ihr euch ein Mountainbike bei einem Fahrradverleih holen.

Wir haben für unsere Bikes bei Nextbike pro Stunde 99 Cents bezahlt. Das Gute ist, dass ihr pro Ausleihe maximal 9 Euro zahlt, dann wechselt der Tarif automatisch in einen 24h-Tarif. Bei den lokalen Fahrradverleihern müsst ihr ungefähr mit 12-15 Euro pro Tag rechnen. Manchmal bezahlt ihr für ein Mountainbike etwas mehr als für ein einfaches Citybike. Die Fahrräder, die wir in Litauen und Lettland geliehen haben, waren alle durchweg sehr gut. Wir hatten keine einzige Panne!

Jurmalas Holzvillen

 

Ein Besuch in Jurmala lohnt sich nicht nur der weißen, endlosen Sandstrände wegen. Ihr solltet euch unbedingt die wunderschönen, alten Holzvillen anschauen. Einige dieser Prachtbauten kann bereits vom Zug aus bestaunen. Neben verspielten Jugendstilvillen und vom Klassizismus geprägte Gebäude findet ihr in Jurmala auch zahlreiche Relikte sowjetischer Architekturkunst. Einige Exemplare dieser kommunistischen Virtuosität zeige ich euch weiter unten.

 

Die reichverzierten Holzvillen in Jurmala entstanden vom ausgehenden 19. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein. Ein Teil der Villen wurde während der Okkupation durch die Russen als Sommerhäuser von einigen kommunistischen Funktionären genutzt. So sollen sich in Jurmala unter anderem schon Chruschtschow und Breschnew amüsiert haben.

Ein Wermutstropfen inmitten dieser architektonischen Pracht ist jedoch der Zahn der Zeit, der unübersehbar an vielen Häusern nagt. So bietet sich dem Betrachter ein ähnliches Bild wie in  Riga. Einige Fassaden sind schon arg verwittert und die liebevoll geschnitzten Details sind kaum noch erkennbar. So kommt es, dass schöne Jugendstilvillen vor sich hinrotten und einfach leer stehen. Es finden sich keine Investoren, die bereit sind, die alten Villen wieder in Stand zu setzen. Die Grundstückspreise in Jurmala sind nämlich sehr hoch. Nichtsdestotrotz haben sich unter anderem ein paar russische Investoren gefunden und einige Architekturperlen modernisiert.

Sowjetische Hinterlassenschaften

 

Eins der beeindruckendsten Architekturwunder aus der Sowjetzeit ist wohl das Bahnhofsgebäude in Jurmala-Dubulti. Es wurde 1977 erbaut und soll nach den Vorstellungen des Architekten die Brandung des Meeres darstellen. Und tatsächlich gleicht das Gebäude einer Welle, die mit typisch orangefarbenen Kunststoffelementen verziert wurde. Im Gebäude selbst gibt es eine Kunstgalerie, die Kunststation „Dubulti“, in der wechselnde Ausstellungen stattfinden. Kunst und Funktionalität zusammen in Perfektion.

  

Zwei weitere Juwelen kommunistischer Baukunst bilden ein anderes Bahnhofsgebäude in Jaundubulti und eine futuristisch anmutende Tankstelle nahe Dubulti. Gerade im Tankstellengebäude findet sich typische Charakteristika sowjetischer Baukunst: schlichte und funktionale Formen frei von Kitsch und Schnörkeleien.

Meine Tipps für euch kurz zusammengefasst

  • fahrt unbedingt mit dem Flussdampfer, wenn ihr von Riga fahren wollt
  • leiht euch vor Ort ein Fahrrad (entweder an den zahlreichen Fahrradverleihstationen oder per App bei Nextbike)
  • erkundet die schönen, dichten Kiefernwälder
  • gönnt euch eine Pause am Meer
  • esst zur Stärkung einen kalten Borschtsch